Abnehmpillen, das Wundermittel?

Samstag, 1. Februar 2020
Abnehmpillen, das Wundermittel?

Neues Jahr, neue Vorsätze und überhaupt nach der ganzen Völlerei über die Feiertage muss eh wieder was runter. Wäre doch schön, wenn es da eine Pille gäbe. Einfach eine Tablette schlucken und die ungewollten Kilos schmelzen weg.

Von Fieber und erhöhter Temperatur

Freitag, 24. Januar 2020





-Also meine Frau nimmt ja Paracetamol nur wenn sie wirklich Fieber hat. Ich habe ihr jetzt gesagt, sie soll das mal ein paar Tage hintereinander nehmen, damit das Fieber nicht wiederkommt.

- Ähm, also Ihre Frau hat da Recht. Paracetamol sollte man nur nehmen, wenn man akut Fieber oder Schmerzen hat. 

-Aber sie hat in letzter Zeit so häufig Fieber…

-Wie hoch ist das Fieber denn? Generell sollte Ihre Frau dann mal zum Arzt gehen, wenn sie so häufig Fieber hat. 

-Immer wieder 38°C hatte sie die letzten Tage. Sie ist ja so erkältet. 

-38°C sind für einen gesunden Erwachsenen kein Problem und auch kein richtiges Fieber. Erhöhte Temperatur ist bei Infektionskrankheiten normal und sogar eher ein gutes Zeichen.

-Aber Fieber ist doch was richtig Schlimmes?

Ja, also. Wo fange ich an.

Oh du fröhliche, oh du giftige, todesbringende Weihnachtszeit...

Dienstag, 24. Dezember 2019

In der Weihnachtszeit findet erstaunlich vieles Giftiges Platz in unserem Leben. Angefangen beim Alkohol auf dem Weihnachtsmarkt. Ich habe mich da aber mal auf drei Sachen beschränkt, die einem vielleicht nicht sofort einfallen beim Thema Gift.

Disclaimer:  Das ist hier alles rein hypothetisch und sollte nicht an nervigen Verwandten getestet werden. Studien mit so kleiner Teilnehmerzahl haben eh kaum Wert.

Christrose

Botanische Zeichnung einer Christrose
Amédée Masclef - Atlas des plantes de France. 1891, Public Domain, Link
Grade im Winter ist man über immergrüne Pflanzen wie die Christrose (oder Schneerose) sehr froh. Aber man sollte sie dann doch irgendwo hinstellen, wo Kinder, Katzen und andere Lebewesen, die gerne unkontrolliert an Pflanzen knabbern nicht, hinkommen.
Warum?
Erstmal sind in der Christrose sogenannte Herzglykoside enthalten, das sind an Zucker (ja, da gibt es verschiedene, fragt mal Tante Wikipedia) gebundenen Stoffe, die eine Wirkung auf das menschlichen Herz haben, wenn man sie isst oder sie sonst wie ins Blut kommen. Sie sorgen für einen langsameren Herzschlag und steigern die Kraft mit der das Herz schlägt. An sich jetzt nicht so das schlechteste, allerdings können die  Herzglykoside auch Herzrythmusstörungen und sogar Herzstillstand verursachen und das teils in sehr geringen Dosen.
Das Haupt-Herzglykosid in Christrosen heißt Hellebrin, viel giftiger ist jedoch das Aglykon d.h. die Variante des Hellebrins, die nicht an einen Zucker gebunden ist. Hellebrigenin nennt man das dann und bei Mäusen sind 77 ug pro Kilo Körpergewicht tödlich. Wenn man davon ausgeht, dass beim Menschen eine ähnliche Dosis tödlich ist, sind das nur etwa 5,4 mg für einen 70 kg Menschen. Nicht so wahnsinnig viel, glücklicherweise ist es nur in den unterirdischen Teilen der Pflanze nachgewiesen worden, die man jetzt ja eher weniger aus Versehen isst.
Also Glück gehabt?
Naja, im Saft der Pflanze ist, wie bei allen Hahnenfußgewächsen,  Protoanemonin enthalten, dass beim Verschlucken die Magenschleimhaut reizt und Rötungen bishin zu Blasen bei Berührung mit der Haut verursacht. Man sollte also die Pflanze auch nicht verletzen in dem man Blätter abknickt oder ähnliches. Oder dabei zu mindestens gute Handschuhe tragen.

Zimt

Oder warum ich extra Ceylon-Zimt kaufte um meinen Zimtkonsum in der Winterzeit angstfrei aufrecht erhalten zu können.

Zimtstangen
Links echter Zimt, rechts Indonesischer Zimt
Antti Vähä-Sipilä [CC BY-SA 1.0 fi], via Wikimedia Commons
Was genaugenommen etwas sehr übertrieben ist, andererseits kippe ich Zimt wirklich löffelweise in meine heiße Schokolade und esse ja auch noch andere Sachen in denen das drin ist.

Cumarin, die giftige Komponente in Zimt, kommt nämlich nicht in allen Zimtarten vor, im echten Zimt bzw. Ceylon-Zimt ist nur sehr wenig davon drin. Im billigeren und häufigeren Cassia-Zimt dagegen teils eine sehrgroße Menge. Trotzdem müsste man über längere Zeiträume mehrere Gramm Zimt am Tag essen um ernsthafte Probleme zu bekommen.
Cumarin kann unter anderem zu Leberschäden undHautirritationen führen, letzteres ist aber vor allem ein Problem bei Kosmetika, Zimt an sich reibt man ja eher weniger auf die Haut.

„Fun-fact“ Cumarin ist auch der Stoff, der Maibowle teils zu einer so schlechten Idee macht. Denn in verwelktem Waldmeister entsteht er auch und verursacht so zusätzliche zum Alkohol Kopfschmerzen und Benommenheit.

Marzipan

Hach, das gute Lübecker Marzipan. Es riecht so schön nach Blausäure und Benzaldehyd. Also für die Menschen, die Blausäure/Cyanid tatsächlich wahrnehmen können. Ein großer Prozentsatz der Bevölkerung kann das nämlich nicht.  Glücklicherweise ist der maximale Cyanidgehalt in Marzipan aber eh vorgeschrieben.

Bei nur 50 mg pro kg Lebensmittel muss man schon mindesten 3kg Marzipan essen.

Auf einmal.

Wenn denn das enthaltende Cyanid überhaupt im Blut ankommen würde…

Beim Herstellprozess von Marzipan (und auch Persipan) wird nämlich das Enzym zerstört, das für die Freisetzung aus der natürlich vorkommenden Form verantwortlich ist. Das Cyanid ist in Mandel- und Pfirsichkernen nämlich an einen Zucker gebunen und in dieser Form nicht giftig. Blöderweise bringen die Kerne nur das Enzym zum Giftig-machen, die ß-Glukosidase, selbst mit. Marzipan wird aber so stark erhitzt bei der Herstellung, dass das Enzym kaputt geht. Es kann also kein/kaum Cyanid mehr freisetzen. 

Marzipankartoffeln
Marzipan-Kartoffeln
Asio otus [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Darauf erstmal ne Tüte Marzipan-Kartoffeln.
Aber wieso ist Cyanid eigentlich giftig? Es blockiert ein Enzym,ohne das die Zellatmung nicht stattfinden kann. Man erstickt also quasi von innen. Eher nicht so toll. Also lieber vermeiden das in irgendeiner Form in den Körper zu bekommen, so als generelle Gesundheitsempfehlung.





Header-Hintergrund von Ylanites Koppens via Pexels

Wie wirkt eigentlich Nasenspray?

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Und wieso kann man davon abhängig werden?




So langsam wird es wieder Erkältungszeit und fast jeden Tag verkaufe ich mehrfach abschwellende Nasensprays. Und mein Sprüchlein „Das Nasenspray sollten Sie nicht länger als eine Woche am Stück anwenden“ wird entweder mit wissendem Kopfnicken, einem unwirschem „ jaja“ oder einem überraschten „Aber wieso das denn?“ quittiert.

Nasenspray (und abschwellende Nasentropfen auch) kann süchtig machen. Man sieht davon im Normalfall zwar keine lustigen Farben oder fühlt sich voll gechillt und entspannt, aber süchtig ist man trotzdem. Ohne Nasenspray kann man nicht mehr, die Nase ist dauerhaft zugeschwollen.

Von besonderen Therapierichtungen und dem AMG

Freitag, 31. Mai 2019
Dickes, aufgeschlagenes Buch, davor der Schriftzug Besondere Therapierichtungen


Liebes Arzneimittelgesetz,

wir müssen reden.

Über die besonderen Therapierichtungen. Für die du jede Menge Ausnahmen machst.

Und bei denen du noch dazu ausgerechnet etwas tatsächlich wirksames (Phytotherapie aka pflanzliche Arzneimittel) mit so seltsamen Zeug wie Zuckerkügelchen (Homöopathie) oder den medizinischen Auswüchsen eines etwas seltsamen österreichischen Esoterikers (Anthroposophie) einfach in einen Topf schmeißt.

Gifte als Kriegswaffen

Mittwoch, 29. Mai 2019
Bild mit Kanone, Text davor: Gifte als Kriegswaffen


Woran denkt ihr bei Waffen? An Gewehre, Pistolen, Bomben…?

Waffen können auch chemischer Natur sein. Oder biologischer. Sie sind nicht so gut sichtbar, so eindeutig wie ein Gewehr. Aber sie töten Menschen. Oder verletzen sie schwer. Auch heute noch.
Sowohl chemische Waffen als auch biologische Waffen sind verboten. Was vielleicht der Grund ist warum man nicht sofort daran denkt. Aber sie existieren immer noch.

Üblicherweise sind diese Stoffe hochgiftig mit einem positiven Effekt von 0. Manchmal muss man abwägen zwischen Nutzen und Risiko eines Stoffs. Giftige Stoffe können in gewissen Dosen auch nützlich sein. (Die Dosis macht das Gift) Auf Stoffe, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz (bzw. die internationalen Verträge der Chemiewaffenkonvention bzw. Biowaffenkonvention) fallen, trifft "nützlich" eher weniger zu.

Wie wirkt eigentlich die Pille?

Sonntag, 17. März 2019


Vor einiger Zeit schwappte mal wieder eine Welle von "Das hat mir aber nie jemand gesagt" durch meine Social Media Timelines. Warum? Weil eine Arbeitsgruppe des britischen Frauenarzt-Berufsverbands eine Pressemitteilung über ihre neuen Richtlinien betreffend der Pille (und anderer hormonelle Kontrazeptiva d.h. Pflaster, vaginaler Ring) rausgegeben hat. Und da steht gleich an erster Stelle folgender Satz:

"The updated FSRH guideline highlights that there is no health benefit from the seven-day hormone-free interval"
Die üblichen sieben Tage Pillenpause haben keinen gesundheitlichen Vorteil.

Der Medienzirkus hat das natürlich auch mitbekommen und daraus dann Schlagzeilen wie "Der Papst ist der Grund, warum du die Pille bisher nicht durchgängig nehmen solltest" (Ze.tt) oder "Bluten für den Papst?"(hpd- Humanistischer Pressedienst) gemacht.
Was der Papst damit zu tun hat? Fragt nicht, ich empfehle da einen Artikel von Alice Howarth im Guardian: "Medical advice on the pill was wrong for 60 years. How convenient to blame the pope"

Auf jeden Fall, hat es mich mal wieder zum Nachdenken gebracht, wie wenig viele doch über die Pille wissen. Millionen Menschen nehme täglich diese kleine Tablette ein und die wenigsten wissen, wie sie überhaupt wirkt.

Also, bereit für Dr. Sommer in pharmakologisch?
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